Gerhard Pietsch, Gewählter Vorsitzender GKGR                                                                                 

23. Februar 2021

An die Mitglieder der Kirchengemeinde St. Monika, Ostfildern-Ruit
Information zu Überlegungen über bauliche Maßnahmen auf dem Areal der Kirche, des Gemeindehauses und des Kindergartens

 

Liebe Gemeindemitglieder,

bei verschiedenen Anlässen und aus schriftlichen Verlautbarungen haben Sie davon erfahren, dass das Pastoralteam und die Gremien des Kirchengemeinderats der Gesamtkirchengemeinde Ostfildern sich mit baulichen Fragen der gemeindlichen Einrichtungen unserer Seelsorgeeinheit befassen. Ausgelöst wurde dies einerseits durch den baulichen Zustand der Kirchen und sonstigen Gebäuden als auch durch Vorgaben seitens des Bischöflichen Ordinariats aber auch durch veränderte pastorale Anforderungen unserer Zeit.

Insbesondere die Mitglieder des Kirchengemeinderats haben sich auf verschiedene Weise ein Bild vom Zustand und der Verwendung unserer kirchlichen Einrichtungen und auch von der Bedeutung dieser Bauten innerhalb der Kirchengemeinden und der örtlichen Umgebung gemacht. So durch gemeinsame Begehungen und schriftliche Gebäudebewertungen als auch mit Hilfe von Expertisen durch Fachleute.

Das bischöfliche Bauamt hat den Gremien Aspekte zur Vorhaltung von Grundstücks-flächen und die damit zusammenhängende laufende finanzielle Unterhaltung nahegebracht und auf die künftige rückläufige Entwicklung der Katholikenzahl und der Kirchensteuereinnahmen hingewiesen. Das erfordert Maßnahmen zur Anpassung der vorgehaltenen kirchlichen Einrichtungen und zur Senkung der zu erwartenden finanziellen Belastung der gemeindlichen Haushalte. In der Konsequenz werden schon heute die Geldzuweisungen an die Gemeinden seitens der Diözese zurückgesetzt und die Genehmigung von Baumaßnahmen an entsprechend strengere Voraussetzungen geknüpft.

Den Einschätzungen des GKGR und des Pastoralteams folgend wurde dem bischöflichen Bauamt ein Antrag auf Bedarfsanerkennung für den schon länger geplanten Neubau eines Gemeindehauses in der Parksiedlung vorgelegt. Entsprechend den Anforderungen des Bischöflichen Ordinariats wurden in den Antrag Überlegungen eingefügt, inwieweit an anderer Stelle der Gesamtkirchengemeinde Ostfildern zum Ausgleich Flächen aufgegeben bzw. Einrichtungen an die zu erwartende pastorale Entwicklung angepasst werden sollen.

Konkret betreffen die Vorstellungen der Gremien die Aufgabe des nur noch spärlich genutzten Gemeindehauses in Scharnhausen und die Sanierungserfordernisse des Gemeindehauses und der Kirche in Ruit. Die vom GKGR in Auftrag gegebene Begutachtung durch einen in diesen Dingen erfahrenen Architekten ergab allein für das in zwei Etappen errichtete Gemeindehaus einen Sanierungsaufwand von weit mehr als einer Million Euro, der sowohl durch bauliche und technische Mängel als auch durch nicht zeitgemäße Sicherheitseinrichtungen bedingt ist. Auch müssten die räumlichen Nutzungsbedingungen in vielerlei Hinsicht verbessert werden. Das betrifft nicht nur das Maß und die Frequenz der Nutzung des Gemeindehauses, sondern auch der Kirche, die an vielen Stellen einer aufwendigen Renovierung bedarf.

Angesichts des Rückgangs nicht nur der Zahl der Kirchenbesucher, sondern der Zahl der Katholiken unserer Gemeinde, sowie der in der Gesamtkirchengemeinde vorhandenen fünf Kirchengebäude und Versammlungs- und Veranstaltungseinrichtungen, ist hinsichtlich der Gestaltung des Gemeindeareals von St. Monika in Ruit eine offene und verantwortliche Betrachtung der Gestaltungsmöglichkeiten angesagt. Dabei ist von einem realistischen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren für Planung und Realisierung und der – angepassten – Erhaltung eines Kirchenraumes und die Möglichkeit der Begegnung auszugehen.

Es liegt auf der Hand, liebe Gemeindemitglieder, dass hierfür eine Reihe von unterschiedlichen Lösungen in Betracht kommt, die von den verantwortlichen Gremien entwickelt und abgewogen werden. Sie bedienen sich hierfür im Benehmen mit dem bischöflichen Ordinariat der Unterstützung und Beratung durch kompetente Fachleute. In den letzten Wochen und Monaten hat man die Idee vertieft, das Areal der Kirche, des Gemeindehauses und des Kindergartens neu zu gestalten, indem die Baulichkeiten ersetzt werden durch ein dreistöckiges Gebäude am Nelken-/ Narzissenweg, das Kirchenräume, Gemeinderäume, Kindergarten und etwa 20 Eigentumswohnungen unterschiedlicher Größe in sich vereinigt. Eine Machbarkeitsstudie mit Plänen wurde zur Klärung der Realisierungschancen dem Bauplanungsamt der Stadt Ostfildern vorgelegt und besprochen. Eine spätere Genehmigung hat sich als nicht aussichtslos erwiesen. Eine Besprechung dieser Gestaltungsidee mit dem bischöflichen Bauamt wird sich anschließen.

Wie ausgeführt, sind damit andere denkbare baulichen Gestaltungsideen keinesfalls ausgeschlossen. Wir sind dabei, mit Hilfe uns vom bischöflichen Bauamt benannten Architekten, die über große Erfahrung mit kirchlichen Bauten verfügen, weitere Ansätze zu verfolgen und eingehend zu prüfen. Dazu zählen durchaus auch Lösungen unter Beibehaltung des Kirchengebäudes mit neuer Aufteilung der Nutzung und die teilweise Erhaltung des Gemeindehauses mit angeschlossenem Kindergarten. Die Planungen stehen unter keinem Zeitdruck. Sie als hauptbetroffene Gemeindemitglieder werden in der Konkretisierungsphase selbstverständlich in die baulichen und pastoralen Überlegungen und allfälligen Entscheidungen einbezogen werden, was dem Pfarrer und dem Kirchengemeinderat ein wichtiges Anliegen ist. Sie werden niemals unvorbereitet vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Es ist Ihnen unbenommen, sich zu jeder Zeit auf jede Art und Weise durch Ihre Stellungnahmen an der Ideenfindung zu beteiligen, wie dies schon in den letzten Monaten geschehen ist.

Herzliche Grüße und Segenswünsche

Gerhard Pietsch
Gewählter Vorsitzender des GKGR

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Klaus Alender, Pfarrer. Vorsitzender GKG Kraft Amtes

Zweiter Brief an die Ruiter Kirchengemeinde und die Gesamtkirchengemeinde Ostfildern

Februar 2021

Liebe Mitchristen in Ruit und ganz Ostfildern,

der Gesamtkirchengemeinderat hat Herrn Pietsch und mich, Pfarrer Alender, gebeten zur Gebäudeentwicklung in Ruit und in der katholischen Gesamtkirchengemeinde Ostfildern etwas zu schreiben. Gerne tue ich das, liegen mir doch unsere Gemeinden und unsere Kirchen und andere Gebäude sehr am Herzen. Die Ausführungen von Herrn Pietsch und mir mögen sich in manchen Punkten ergänzen, aber auch überschneiden.

Nahezu alle Katholiken, die hier in Ruit und in Ostfildern wohnen, sind Zugezogene. Wir haben unsere Heimat verlassen. Viele von uns, und der Generation davor, sind vertrieben oder ausgewiesen worden. Andere haben sich hier angesiedelt, weil sie hier und im Raum Stuttgart gut Arbeit gefunden haben. So verbindet uns, dass wir hier eine neue Heimat gefunden haben und dass wir die eigentliche, die alte Heimat zurückgelassen oder verloren haben. Damit sind die meisten von uns in gewissem Sinne „Heimatvertriebene“.

Wer seine Heimat verlässt, auch wenn es freiwillig ist, auch wenn es wegen eines Wohnsitzwechsels ist, der lässt Heimat zurück und es ist eine große Aufgabe sich wieder neu zu beheimaten. Ja, der Verlust der Heimat hinterlässt in jedem von uns tiefe Spuren. Es ist eine Verlusterfahrung. Eine Professorin in Milwaukee, Julia Anderle de Sylor, hat das erforscht an den Heimatvertriebenen, die sich dort angesiedelt haben und hat dabei Verlusterfahrungen benannt.

Auch ich als Pfarrer habe in Ruit eine Heimat gefunden bzw. bin noch dabei. Ich habe meine Heimat Aalen verlassen und habe mit mehreren Etappen, vor allem im Raum Rottweil, Orte der Heimat gefunden. Auch ich merke, dass ich hier dann gut leben kann, wenn Ruit und Ostfildern zur Heimat für mich wird und geworden ist. – Natürlich ist es etwas Anderes als bei vielen von Ihnen, für die Ruit Heimat bis zum Lebensende geworden ist. Doch es gibt hier sicher auch viele, die in Ostfildern Heimat haben für 10 bis 15 Jahre und dann wieder weiterziehen oder weiterziehen müssen.

Für uns ist die katholische Kirchengemeinde und die Stadt Ostfildern zur Heimat geworden. Dies ist besonders auch, neben der Beziehung zu den Menschen, sichtbar in einer Bindung und einer Freude an den Gebäuden, besonders an den Kirchen hier. Wenn ich unsere Kirchen betrete, besonders auch die Kirche in Ruit, dann spüre ich, dass sie von Menschen erbaut wurde und Menschen hierherkommen, die hier und mit dieser Kirche Heimat verbinden. Ich fühlte mich sehr schnell hier in der Kirche in Ruit und in den anderen Kirchen Ostfilderns zu Hause.

Jetzt stehen wir vor neuen Herausforderungen, die Herr Pietsch beschrieben hat. Die Gebäude, besonders auch die Kirchen, sind nach 60 Jahren sehr sanierungsbedürftig. Das Geld, sprich die Kirchensteuereinnahmen, werden weniger und leider schrumpfen auch unsere Gemeinden von der Mitgliederzahl her. – In den kommenden Jahren sind wir noch gut handlungsfähig. Wenn wir alles die nächsten 10 bis 20 Jahre so belassen würden wie jetzt, wären unsere Möglichkeiten sehr eingeschränkt.

Die Katholiken, die in Ruit und in ganz Ostfildern neue Heimat gefunden haben, haben durch Kirchenbau und die Gemeindehäuser sich Orte der Heimat geschaffen. Wenn es jetzt darum geht eventuell eine Kirche oder ein Gemeindehaus zu verändern, dann geht da wieder ein Stück Heimat verloren. Das ist besonders heftig, weil es ein Stück Heimat ist, das die jetzige Generation oder gerade mal die davor erst aufgebaut hat. Dies ist für mich ein sehr verständlicher Grund, warum wir uns nicht ganz frei über jegliche Art von Veränderung verständigen können. Trotzdem schreibe ich Ihnen jetzt zu zwei Möglichkeiten der Veränderung meine Gedanken.

Vorausschicken möchte ich, dass ich offen bin für beide Varianten oder weitere andere Varianten. Die eine Variante ist, dass wir das Areal von Kirche, Gemeindehaus und Kindergarten neu aufstellen und dort einen neuen Raum für Kirche, für Gemeindebegegnung und für den Kindergarten schaffen. Zusätzlich entsteht dann Platz für Wohnungen, sozial gefördert. Dort könnten dann Familien wohnen. Es könnten ältere Leute dort einziehen, die ihre zu groß gewordene Wohnung oder das Haus verlassen möchten. All diese Wohnungen sind dann natürlich barrierefrei gebaut. Darüber haben wir uns in einem allerersten Schritt mit dem Siedlungswerk zusammengesetzt und die Machbarkeit überprüft.

Sollten wir diese Variante weiterverfolgen, dann ist mir persönlich sehr wichtig, dass in diesem Gebäudekomplex auch ein ansprechend großer Kirchenraum zu finden ist. Dafür wird dann wohl nicht eine, sondern zwei Geschosshöhen nötig sein. Meiner Ansicht nach müsste es dann eine Abtrennmöglichkeit geben zwischen dem größeren Raum und dem vorderen Teil mit Altar und Plätzen, die die Teilnehmer eines Werktag-Gottesdienstes aufnehmen können. Auch sollten Glaselemente und Türen hin zum Foyer es ermöglichen, dass bei größeren Gottesdiensten mehr Teilnehmer dabei sein können. In dem Bereich des Altars, der abtrennbar ist, sollte dann auch das Altarfenster von Roland Peter Litzenburger wieder seinen Platz finden. Dazu kommen Nebenräume wie Sakristei, die auch als Gruppenraum verwendet werden kann, eine kleine Küche, Toiletten, Garderobe und Stuhllager. Diese Wünsche werden ganz schön viel Geld kosten. Aber vielleicht findet sich unter uns und auch bei der Diözese eine Mehrheit dafür, einen ansprechenden Kirchen- und Versammlungsraum zu bauen und zugleich Wohnraum zu schaffen für Familien, Alleinstehende und alte Menschen. Natürlich soll in diesem Gebäudekomplex wieder unser zweigruppiger Kindergarten seinen Platz finden mit all seinen Räumen.

Die andere Variante betrifft die (Teil-) Sanierung dessen, was jetzt auf unserem Kirchengelände in Ruit steht. Dazu wollen wir uns in nächster Zeit mit einem Architekten Gedanken machen und uns von ihm Ideen „schenken“ lassen. Ich kann mir vorstellen die bestehende Kirche in Ruit schön umzugestalten. Vielleicht lässt sich ein Gemeinderaum im Bereich der Kirche integrieren, vielleicht auch nicht. Heizung und Licht müssen in der Kirche sowieso saniert werden. Bänke oder loses Gestühl könnte so angeordnet werden, dass wir uns besser um den Altar versammeln können. Dafür würde auch der Altar kleiner werden und näher bei den Menschen stehen. Außerdem gäbe es weniger Altarstufen.

Der neue Teil des Gemeindehauses ist erst 20 Jahre alt. Vielleicht kann dieser Teil erhalten bleiben und mit neuen sanitären Anlagen ausgestattet werden. Was den hinteren, alten Teil des Gemeindehauses betrifft, haben wir uns durch einen Architekten errechnen lassen, dass eine Sanierung über eine Million Euro kosten würde. Dies halten wir nicht für finanzierbar. Es ist auch die Frage, wofür dann die Räume, vor allem im Untergeschoss, überhaupt gebraucht werden. Diese andere Variante wollen wir gerne ganz offen anschauen und mit einem Architekten und Ihnen Ideen austauschen und Pläne entwickeln.

Ich hoffe, ich konnte mich ein wenig verständlich machen. Und ich hoffe, ich habe Sie ein wenig angeregt mitzudenken und weiterzudenken. Sobald es das Pandemiegeschehen erlaubt, sollten wir zusammensitzen und miteinander reden. Aber vielleicht finden Sie es auch gut, wenn wir als Grundlage für Gespräche zum einen das haben, was das Siedlungswerk für uns erarbeitet hat und zum anderen schon die Ideen eines Architekten für die Um- und Neugestaltung des bisherigen auf dem Tisch liegen.

Ich freue mich mit Ihnen zusammen weiter auf dem Weg der Erneuerung zu sein. Nicht nur der Gebäude, sondern vor allem der lebendigen Steine, von uns selber als Einzelne und als Gemeinde.

Es grüßt Sie ganz herzlich


Pfarrer Klaus Alender

Beiträge zur Gebäudeentwicklung